das kätzchen

Wie ein Kätzchen weint das Baby. Wie ein verlassenes, hungriges, dreckiges Kätzchen. Wieso? Es hat gerade gegessen, es hat geschlafen, die Windel ist sauber. Meine Arme sind anscheinend auch nicht beruhigend.


Ich weiß, dass sie gucken. Ich weiß, dass sie verurteilen. Genervte Gesichter, Kopfhörer, die ausgepackt werden. Natürlich auch die, die in einer performativen Geste wegschauen.


Ja, ein Kätzchen würde auch nachts aufwachen, an der Tür kratzen. Miauen, bis er reingelassen wird. Ein Katzenklo muss auch saubergemacht werden und gespielt werden sollte auch. Ein Kätzchen muss aber nicht dreimal am Tag umgezogen werden, weil es sich übergibt und weil es schon Nacht ist.


Was ist, Kätzchen? Ich verstehe dich nicht, Rede mit mir, nur, du kannst noch nicht reden. Und auch wenn du reden lernen wirst, wirst du es mir nicht sagen. Kinder schreien lieber, als dass sie sprechen. Zumindest schweigen sie nicht. Das, bis sie ein bestimmtes Alter erreichen. Oder so stelle ich mir das vor.


Ich weiß, die Nudeln waren kalt, aber dein Vater hätte wenigstens danke sagen können. Er glaubt, er tut viel im Haus und bei dir, er hat aber keine Ahnung, wie oft du wirklich aufwachst oder wann dein Geburtstag ist, welche Autos dir am besten gefallen und welche YouTube-Videos ich dir beim Essen zeige. Dein Vater fühlt sich stolz, dass er dich nicht verlassen hat, nicht, wie sein Vater. Er will die Dinge besser machen.


Ich möchte mit dir heulen, was ist los? Ich ertrage die genervte Stimmung nicht mehr. Sollte ich aufstehen? Dich irgendwohin bringen, wo sie dich nicht hören können, wie ein Polizist jemanden von einem Protest wegzerrt? Nein, mein Rücken tut weh, ich sollte aufhören, dich so viel zu tragen, lieber im Wagen, ja, im Wagen ist es besser. Ich weiß: Besser für die Erwachsenen, nicht für dich. Praktisch, wie eine Excel-Tabelle.


Babys passen nicht in dieser Welt rein. Sie sind zu froh, zu neugierig, zu einzigartig. Wie kann es sein, dass sie irgendwann erwachsen werden und auf einem Bürostuhl sitzen und ihre Augen vor lauter Buchstaben und vor lauter Zahlen immer trauriger werden?
Katze, Stopp! Sofort! Es reicht. Meine Ohren Schmerzen, mein Kopf schmerzt, mein Rücken schmerzt. Siehst du das nicht? Wie wäre es mit ein bisschen Rücksicht? Die Menschen sind genervt, hör jetzt bitte auf. Ich gehe. Mama geht, wenn du dich nicht beruhigst. Beruhige dich!


Ich lese es jemanden aus dem Lippen ab: "So eine schlechte Mutter." Das ist mir egal. Es ist mir egal! Bist du jemals Mutter gewesen? Ich zücke das Spielzeug raus und schüttle ihn geräuschvoll vor mich hin. Ich habe zwei Sekunden ruhiger Aufmerksamkeit, danach geht es weiter.


Was stand im Ratgeber? Nähe schenken, Nervensystem beruhigen, zyklische Atmung. Ich versuche, zur Ruhe zu kommen. Meine Brust brennt.

Und plötzlich: der Himmel, blau, rot, orange. Ich. Unter mir die Häuser. Der Wind streift mich viel zu langsam, viel zu sanft. Ich sollte schneller fallen, aber ich kann jede Sekunde genießen. Habe ich keine Schuhe an? Flügel habe ich auch vergessen.

Solarpanels schauen mich an wie Fenster in eine andere Welt. Vielleicht sind sie es auch? Ich sehe keine Vögel, keine Menschen, ich bin hier allein. Es macht keinen Sinn zu schreien und ich spüre auch kein Bedürfnis dazu. Ich schließe die Augen, die Sonne noch in meinen Augenlidern eingebrannt. Ich lächle.

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