der garten
Ich würde dir gerne den Kopf abreißen und ihn einpflanzen. Ich glaube, daraus würde eine fleischfressende Pflanze wachsen. Oder ein Kaktus. Auf jeden Fall nichts, das Früchte trägt. Stattdessen muss ich dich anlächeln und sagen, dass es okay ist und dass es mir nichts ausmacht. Es ist schon das vierte Mal in Folge. Ich dachte, Männer würden für Sex alles tun. Aber du willst keinen Sex mit mir haben.
Irgendwo sollte ich Verständnis dafür haben. Die Lust schwankt, es ist okay, wenn mal einer nicht will, es ist ganz normal. Aber kann es sein, dass du anders riechst? Kann es sein, dass du die ganze Zeit nicht mit einem Kumpel telefonierst, sondern mit jemand anderem? Der Sitz im Auto stand etwas weiter hinten, als ich eingestiegen bin. Wer war da?
Ich kann keine Pflanzen am Leben halten, aber wenn ich deinen Penis einpflanzen würde, dann würde ich ihn jeden Tag gießen. Ich glaube, ihm würden keine Wurzeln wachsen. So ist das, nicht wahr? Vielleicht sollte ich mich lieber dem Kochen widmen und ein Eis am Stiel daraus machen. Oder reiben und als Käse für einen Auflauf nutzen. Der würde schmelzen und man würde nicht erkennen, wo er anfängt und wo er aufhört.
Du hattest mich vor einem Monat mitten in der Nacht geweckt und legtest meine Hand auf deinen Steifen. Ich wollte weiterschlafen. Ich habe ihn gestreichelt und ein bisschen hin und her geschüttelt, so, wie ein Kind eine Cola schüttelt, wenn es sie zum Explodieren bringen möchte. Irgendwann hatte ich keine Energie mehr dafür und habe es gelassen.
Vielleicht sind Beziehungen auch immer so. Es gibt tausende Dinge, die nicht passen. Es gibt eine kleinere Anzahl an Dingen, die passen. Ich weine, du möchtest das Fußballspiel schauen. Zwei Dinge, die nicht zusammenpassen. Deine Tür bleibt immer zu, meine ist immer offen. Weitere zwei Dinge, die nicht zusammenpassen. Aber irgendwie haben wir es miteinander geschafft. Sogar einen Ring habe ich bekomme, einen sehr günstigen, du hattest dich beschwert, dass ich überhaupt heiraten wollte. Dann haben wir geheiratet und ich habe es dir erlaubt, mich in der Nacht zu ficken, obwohl ich todmüde war. Wir haben dann das Frühstück verpasst, obwohl ich frühstücken wollte.
Man muss ja Kompromisse eingehen. Ich habe Sex mit dir, wenn ich kaum Lust darauf habe und eigentlich andere Dinge zu tun hätte und du… Ja, du… Du sagst nein und telefonierst lieber mit Gott weiß wem. Kompromisse.
Ich dachte, so würde Liebe aussehen, bis ich diese eine Frau sah. Ein riesiges Kleid, das eine ganze Treppe lang war. Eine Krone auf dem Kopf, als wäre sie eine Prinzessin, nein, als wäre sie eine Königin. So mühelos schön. Sah das Ganze teuer aus! Eine unglaubliche Menge an weißen Blumen, an Essen... Wir hatten… Kompromisse. Jede Menge Kompromisse. Meine Mutter sagte ja immer: „Es wird nie alles passen mit einem Mann. Man muss einfach froh sein, wenn man einen findet. Man wird immer irgendwas aufgeben müssen. Sonst kann man keine Beziehung führen.“
Ich gehe an deine Tür ran. Ich versuche zu hören, was du sagst. Ich höre nichts. Ich lege mich hin und masturbiere mit Wut. Meinen Orgasmus wird man nicht einpflanzen, er wird auf dem Handtuch trocknen und versteinern.